Kategorie: Strukturwandel

In Züssow kann man eher das Bahnhofsgebäude…

denn eine Fahrkarte kaufen, meinte mal ein Ortskundiger.

Jetzt ist es soweit. Sofern Sie 11.000 € fürs Mindestgebot in der Tasche haben, können Sie sich den Züssower Bahnhof leisten, er wird komplett versteigert.

590m² „Wohnfläche“, 1.825m² Grundstücksfläche, Parkplatz vor dem Gebäude, Bahnsteig direktemang dran…

Sie brauchen nur noch einen Zaun und alles wird gut…

Bahnhofsgebäude Züssow

 

Das Objekt wird anlässlich einer Herbst-Auktion am 09.10.2015 im „BESL Meistersaal am Potsdamer Platz“, Köthener Straße 38 in 10963 Berlin im Rahmen einer privaten Grundstücksauktion auf Basis eines notariellen Einlieferungsvertrages im Auftrag des Eigentümers versteigert. Weitere Informationen finden Sie bei immowelt.de

Sprachlos in einer grenznahen Region

Daß der Landkreis Vorpommern-Greifswald / das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern  an das Nachbarland Polen grenzt, ist bekannt. Diese Nähe zum Nachbarland und seine Sprache hat leider keinerlei Auswirkungen auf die schulische Bildung in unserem Landkreis / in unserem Bundesland

Und das ist sehr sehr beschämend.

Nun hat die „Greifswalder Studie zur Vermittlung der polnischen Sprache in grenznahen Kitas und Schulen„, durchgeführt von Wissenschaftlernder Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, ein sehr trauriges Bild herausgearbeitet, aus dem ich einen Abschnitt übernehme:

In der Grund- und Orientierungsstufe fehlen in Mecklenburg-Vorpommern die bildungspolitischen Rahmenbedingungen für den systematischen Polnischunterricht, ausreichend qualifizierte Fachkräfte sowie geeignete Lehrmaterialien für die Klassenstufen eins bis sechs, die über ein Arbeitsgemeinschafts-Angebot hinausgehen. Erschwerend für solche Angebote kommt hinzu, dass entsprechende Leistungsstandards fehlen, die Kontinuität nicht gewährleistet werden kann, die Schüler aufgrund der konkurrierender anderer Ganztagesangeboten schwer zu motivieren sind, Lehrkräfte für solche Angebote unzureichend oder nur eingeschränkt qualifiziert werden können.

 Ist das traurig oder peinlich? Ich finde beides. Wie soll Verständigung entstehen, wie sollen die Menschen in dieser Region zu einem gemeinschaftlichen Leben und Arbeiten finden können, wenn sie die Sprache nicht lernen können? Wie wir wissen ist OVP eine strukturschwache Gegend, aber Stettin eine aufstrebende Wirtschaftsregion. Die Menschen aus unserem Landkreis können daran aber wohl nicht teilhaben, da sie sich nicht verständigen können.

Von den polnischen Arbeitnehmern, die auf der Insel Arbeit finden, wird die Beherrschung der deutschen Sprache erwartet. Unsere Bevölkerung bekommt keine Bildungs- und Lern-Chancen.

Fazit der Studie:

Das Erlernen der polnischen Sprache im Sinne des von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat empfohlenen frühen Fremdsprachenlernens ist derzeit nur punktuell möglich. Mecklenburg-Vorpommern ist einer zukünftigen Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften mit regionalspezifischen Kompetenzen somit noch nicht gewachsen.

Links:

3. Oktober: Tag der deutschen Einheit

Heute vor 23 Jahren wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen: Die neuen Länder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR treten der Bundesrepublik Deutschland bei. Was in Wikipedia-Deutsch doch recht hölzern klingt, hat unser aller Leben geprägt, beeinflußt, verändert, umgestürzt, das ist offenkundig und offensichtlich.

Mein Leben hat durch die Ereignisse 1989 und 1990 eine ganz andere Richtung bekommen, daß ich nun in Ostvorpommern lebe wäre noch wenige Jahre vorher unvorstellbar gewesen.

In diesen 23 Jahren hat sich gerade hier in Ostvorpommern ein wirtschaftlicher Wandel vollzogen, dessen Auswüchse nicht mehr geleugnet werden können und die nur sehr schwer „zurückzudrehen“ sind. Nicht nur die unselige Energie-Netz-Politik, die unser Land mit Windrädern vollstellt, jedoch keine Infrastruktur für den Energieabtransport schafft, auch die Agrarpolitik hat eine Richtung eingeschlagen, welche, gefördert von Bundesregierung und EU, die gesamte Landesstruktur zerstört und kleinen, landschaftsschonenden, ökologisch vernünftigen Betrieben keine Chance läßt.

Beispiele für diese Aussagen gibt es wahrlich genug:

  1. sehen wir doch nur , wie vielerorts sich Gemeinden den Bürgerwillen gegen Geldversprechungen abkaufen lassen und Projekten wie „Bürger-Wind-Parks“ zustimmen,
  2. schauen wir in die Kleinanzeigenseiten der Lokalpresse, wo unverhohlen Landflächen zum Ankauf gesucht werden, Land, auf dem die Gülle der Schweinebarone abgelassen werden soll, sehen wir wie hilflos die Gemeinden sind bei dem Versuch sich gegen die Ansiedelung und den Betrieb der Großmastanlagen zu stemmen
  3. sehen wir, wie die nach der Wende verpachteten und unter großen Mühen und Einsatz aufgebauten ländlichen Betriebe nun, nach Ablauf der Pachtzeit, an die Meistbietenden verschachert werden, und das sind Agrarspekulanten und Schweinebarone
  4. sehen wir doch, wie der Versuch des Landwirtschaftsministers, die letzten ehemals volkseigenen LPG-Flächen zu kaufen und sie an Jungbauern  zu vergeben, als hochriskanter Deal abgewertet wird und niemand die Folgen dieser Absage erkennt: daß man nun die letzten Flächen den Spekulanten zum Fraß anbietet.

Man kann fast annehmen, unsere Region sei aufgegeben und dem Markt, der es eben nicht richten wird (!), zum Fraß vorgeworfen. Eine gesellschaftliche Lähmung und politische Orientierungslosigkeit führt dann zu Wahlergebnissen, die nichts ändern sondern nur im alten Trott weitermachen lassen, Apathie legt sich über das Land.

Was würde Karl Rodbertus zu unseren Problemen sagen, lebte er noch? Karl Rodbertus (1805 – 1875) war Nationalökonom und gilt als Begründer des Staatssozialismus. Seiner Auffassung nach fällt dem Staat die Aufgabe zu, in die Prozesse der Wirtschaft einzugreifen und zu lenken. Er würde sich in vielem bestätigt sehen, glücklich darüber wäre er sicher nicht.

Grabstein des Karl Rodbertus in Jagetzow
Grabstein des Karl Rodbertus in Jagetzow

Warum ich diesen Herrn hier nenne? Nun, gerade  20km von Gribow liegt der Ort Jagetzow, heute ein Ortsteil von Völschow.  Dort lebte Johann Carl Rodbertus auf seinem Gut.
Er nahm teil an der Märzrevolution 1849 und wurde 1849 nach einer kurzen Amtszeit als preussischer Minister für Kultur und Unterricht auf sein Gut Jagetzow verbannt. Dort stand er bis zu seinem Lebensende unter Polizei-Aufsicht. Er konnte jedoch weiterhin wissenschaftlich arbeiten und veröffentlichte einige Werke; Marx, Engels und Rosa Luxemburg bezogen sich in ihren Schriften auf ihn.

Die Erinnerung an diesen wichtigen Politiker und Wissenschaftler ist geschwunden.
Der kleine Ort Jagetzow liegt abgeschieden, die zu ihm führenden Straßen werden zerstört durch die Gülle transportierenden Schwerlastwagen des Schweine-Barons aus Tellin, der Gutshof der Familie Rodbertus scheint dem Verfall ausgeliefert.

Nur das Grab auf dem kleinen Gemeindefriedhof ist gepflegt.

Seine Bücher sind bei GoogleBooks zu finden. Ich habe sie weiter unten aufgeführt.

Johann Carl Rodbertus in der Wikipedia

 

 

Eine Galerie

Von Carl Rodbertus, der sich auch Rodbertus-Jagetzow nannte, sind u.a. diese Bücher bei GoogleBooks zu finden:

Mobilität für Alle – in Vorpommern

Bahnübergang in Guest
ehemaliger Bahnübergang in Guest

Das ist das Thema einer Veranstaltung der GRÜNEN am 9. August auf der Insel.

Wir diskutieren über: Lösungsansätze für eine hochwertige Mobilität jenseits des Autoverkehrs, einen zukunftsfähigen Öffentlichen Personenverkehr für alle,  einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Tourismus an der Ostseeküste und im Binnenland

Ein ungemein wichtiges Thema. Ich habe mir schon oft den Kopf zerbrochen, wie die Verkehrssituation verbessert werden könne, es geht ja nicht an, daß man auf Schulbusse angewiesen ist, die an Wochenenden und in den Ferien nicht fahren.
Zu einer Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben gehört auch die Mobilität.
Deshalb wäre ich gerne bei der Veranstaltung dabei. Ich habe aber ein Problem: Ohne Auto komme ich da nicht hin und am Freitag wird mir kein Auto und kein Chauffeur zur Verfügung stehen. Denn die 4km zur UBB nach Züssow möchte ich nicht zur Fuß auf der B111 ablatschen müssen.

Informations- und Diskussionsveranstaltung
Freitag, 9. August 2013, 18:30–20:30 Uhr
Hotel Nautic, Triftweg 4, Koserow