Kategorie: Anreise

Nachreise-Betrachtung

Nun ist für viele der Kurzzeiturlauber der Osterurlaub auf den schönen Inseln wohl schon wieder vorbei und die KFZ-Kennzeichen auf unseren Bundesstraßen zeigen nicht mehr soviel B, ABI, LOS oder ERZ, sondern eher wieder WLG, HGW, VP oder GW.

Warum soviele der Urlauber mit dem Auto kommen und nicht umweltschonender mit der Bahn, ist kein Geheimnis. Wer hat schon Lust, ab Berlin mitsamt Gepäck per Regionalzug zu reisen, wo man nicht mehr als ein Handgepäckstück unterbringt und schon ab Prenzlau der Rücken ob der harten Sitze schmerzt?

Bahnübergang in Guest
ehemaliger Bahnübergang in Guest

Aber: wer mit einem Regional“express“ nach Norden reist, hat noch Glück gehabt. Versuchen Sie mal in der Woche nach 18:00 eine Zugverbindung von Berlin  nach Züssow zu finden! Da reist man in kurzer Zeit von Moskau nach Berlin, landet nach 2,5 Stunden in Tegel und dann gibt es keinen Zug mehr nachhause. Für die restlichen 200km muss man, wenn man nicht in Berlin übernachten möchte, einen Leihwagen buchen.

Das ist schlicht und einfach eine Schande, eine verfehlte Verkehrspolitik.

Mobilität für Alle – in Vorpommern

Bahnübergang in Guest
ehemaliger Bahnübergang in Guest

Das ist das Thema einer Veranstaltung der GRÜNEN am 9. August auf der Insel.

Wir diskutieren über: Lösungsansätze für eine hochwertige Mobilität jenseits des Autoverkehrs, einen zukunftsfähigen Öffentlichen Personenverkehr für alle,  einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Tourismus an der Ostseeküste und im Binnenland

Ein ungemein wichtiges Thema. Ich habe mir schon oft den Kopf zerbrochen, wie die Verkehrssituation verbessert werden könne, es geht ja nicht an, daß man auf Schulbusse angewiesen ist, die an Wochenenden und in den Ferien nicht fahren.
Zu einer Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben gehört auch die Mobilität.
Deshalb wäre ich gerne bei der Veranstaltung dabei. Ich habe aber ein Problem: Ohne Auto komme ich da nicht hin und am Freitag wird mir kein Auto und kein Chauffeur zur Verfügung stehen. Denn die 4km zur UBB nach Züssow möchte ich nicht zur Fuß auf der B111 ablatschen müssen.

Informations- und Diskussionsveranstaltung
Freitag, 9. August 2013, 18:30–20:30 Uhr
Hotel Nautic, Triftweg 4, Koserow

Nachtrag zu „Ländliche Stille <=> neuer Asphalt“

Unendliche Baustelle

Der Nordkurier meldet:

Auf der nördlichen Zufahrtsstraße zur Insel Usedom staute sich der Verkehr nach Polizeiangaben auf der B111 zwischen Wolgast und der Ampelkreuzung Möckowberg auf mehreren Kilometern, aber noch nicht bis zur A20. …
Staus und zähfließender Verkehr zu den Inseln ist an den Ferienwochenenden nicht ungewöhnlich. Derzeit haben in 13 Bundesländern die Schulen geschlossen. Bei den Beamten auf Rügen hieß es, sie hätten schon schlimmere Wochenenden erlebt.

Da können wir in Gribow ja richtig dankbar sein!

Nun stelle ich mir aber die Fragen:

  1. Warum reisen die alle mit dem Auto an? Wohl weil es keine akzeptablen Bahnverbindungen mehr gibt oder weil kein Marketing für die Bahn gemacht wird?
  2. Warum reisen die alle zum gleichen Zeitpunkt an? Seit wievielen Jahren wird gepredigt, nicht alle auf einmal loszufahren? Wenn ein Kind 6 Wochen Ferien hat, muß man doch nicht am ersten Ferientag losbrettern oder?
  3. Was wollen die alle auf der Insel?
  4. Brauchen die alle ein Auto auf der Insel?
  5. Ist das naturnaher Tourismus? Bedeutet die Vorgabe „Individualtourismus“ für den Fremdenverkehr, daß nun jeder Depp mit dem eigenen Auto anreist? Ganz individuell im Stau?????
        
  6. Und vor allem: Wollen wir Menschen, die hier leben, diesen Verkehr?

B 111: laut und verstopft

Das letzte Wochenende hat es wirklich in sich gehabt: Staus ab Züssow Richtung Usedom, Staus in Wolgast, und und und

Seit die B111 neu asphaltiert wurde, ist der Verkehrslärm deutlich angestiegen und man wird nun nicht nur von den Motorrad-Idioten, die schon im Ort die Geschwindigkeit wieder röhrend hochfahren, aufgeschreckt, nein an diesem Wochenende lag ein permanentes störendes Brausen in der Luft. Ob sich das gibt, wenn der Straßenbelag etwas abgefahren ist?

Was dieses Wochenende aber wieder deutlich gezeigt hat: es gibt keine Verkehrsplanung und es gibt keine Tourismus-Planung. Die Maxime der Verkehrsplanung:

  • Baut jahrelang in Züssow willkürliche Kreisel – Kreuzungen (ich nenne das den  „Züssower Times Square“),
  • betoniert den Ort zu,
  • lenkt die Autos durch die wohl eigens dafür umgepolte Bahnhofszufahrt
    so bekommt jeder Urlauber auch mal den wunderschönen Potemkinschen Bahnhofsplatz zu sehen, an dem kein einziger Bus die dortigen Haltestellen bedient und das Klohäuschen immer abgesperrt ist und die Usedom-Fahrräder auch immer fehlen
  • wandelt EU-Förderung in Beton, soviel wie möglich!

Die Tourismusplanung? Da geht es nach dem Motto: Mehr ist Besser. Und den Urlaubern würde ja was fehlen wenn sie keinen Stau hätten.
Aber ob das eine vernünftige Politik ist? Hier wird nach dem bekannten Muster „Das ist ein hübsches Fischerdorf und Ihr Hotel liegt direkt am Hafen. Wir mussten dafür leider die letzten verbliebenen Fischerhäuser abreißen..“  „entwickelt“, immer noch mehr mehr mehr.

  • Muss es denn Massentourismus sein?
  • Müssen denn alle Urlauber mit dem Auto anreisen?
  • Brauchen die Urlauber denn die Karre während ihres Urlaubs wirklich?

Vernünftige Bahn-Verbindungen statt der Regionalbahn-Holzklasse, Usedom-Bahn-Urlaubstickets für alle Urlauber die ohne Auto kommen, keine Baugenehmigungen mehr für nachgemachte uniforme Reetdachhüttchen, wuchert mit den Pfunden die Ihr habt statt sie immer billiger zu machen!

Das würde der Region besser bekommen. Und den Menschen, die hier Urlaub machen, auch.

Und zu guter Letzt ein Screenshot der staugefährdeten Bereiche der Straßenbauverwaltung vom 17.06.2013:

Staugefährdeter Bereich
Staugefährdeter Bereich

Info: Pressemitteilung der Landesregierung zum Baubeginn B111 – Züssow

Schilda in Greifswald: vom Bahnhof zum Hauptbahnhof

Der Öffentliche Nahverkehr liegt hier in Vorpommern sowas von darnieder, er ist fast nicht mehr wahrnehmbar.

In die Hansestadt Greifswald kommt man an Wochenenden und in Schulferien nur noch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto. Busse fahren dann nicht.
Und selbst wenn es in Züssow einen Bahnhof mit einer regelmässigen Anbindung nach Greifswald gibt, kommen Sie mal von Gribow nach Züssow! Da dürfen Sie dann 5km auf der B111 entlanglaufen, ohne Fussweg.

In Züssow angekommen, darf man sich dann allerdings an dem Potemkinschen Busbahnhof und der immer leeren Fahrradstation sowie der fast immer geschlossen Super-Technik-Toilette erfreuen.

Greifswald hat ein Mobilitätszentrum, wurde geschaffen für die Bewohner Ostvorpommerns.
Hat sogar Telefon.
Nimmt aber nie jemand ab.
Um das Mobilitätszentrum in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie mobil sein, irgendwie schon nach Greifswald gekommen sein.

Von Berlin aus dürfen Sie mit der Regionalbahn nach Greifswald fahren, in unbequemen Nahverkehrszügen, ohne Platz für Gepäck, eine herrliche Möglichkeit für Touristen das schöne Land von Anfang an  zu erspüren.

Warum ich das alles aufzähle und mir so Luft mache? Weil die Greifswalder Bürgerschaft sich stark macht. Echt. Die macht sich stark! Aber nicht um Lokomotiven oder Busse nach Greifswald zu schieben, sozusagen eine Mobilisierung, nein, die Bürgerschaft hat nichts Ernsteres zu tun als eine Umbenennung des Greifswalder Bahnhofs zu fordern: Statt Bahnhof nun Hauptbahnhof!  Angestoßen wurde dieser Vorstoß von der Bürgerschafts-Fraktion der Grünen. Die waren ja schon immer stark in Sachen Verkehrspolitik.  Welches Dreirad nun aber in die gefahren ist, erschließt sich mir nicht.

Würden Sie sich für einen Kopf-Bahnhof stark machen, könnt ichs ja noch fast verstehen. Denn ein  Kopf fehlt da genauso wie die Mobilität beim Mobilitätszentrum.

Wenn wir schon nichts schaffen, benennen wir wenigstens um. Die Kosten für neue Schilder? Macht nichts, Geld kommt ja irgendwie aus der Regionalförderung.
Und alle Bürger des Kreises Vorpommern-Greifswald sind dann mächtig stolz auf ihren Hauptbahnhof.

Bildnachweis: Creative CommonsSome Rights reserved, Fotograf: schorse1963