Gut Broock bei Alt Tellin im Tollense-Tal

Schon die Luftaufnahme zeigt die Zerstörung. Das Gutshaus von Broock im neugotischen Stil ist nur noch Fassade.

Mir stellt sich wie auch bei anderen Nachwende-Ruinen hier in der Gegend die grundsätzliche Frage nach dem verpflichtenden Eigentum. Wenn ein Besitzer die notwendige Renovierung, den notwendigen Erhalt nicht leisten kann, darf er es dann noch besitzen? Und kann die Gemeinschaft, der Staat, den Bestand garantieren, die Gebäude wiederherstellen? Welche Nutzung böte sich an?

Seit 1980 steht das Anwesen leer, in der DDR-Zeit diente es wie viele der Gutshäuser zu Wohnzwecken. Artikel in Wikipedia und anderswo bezeichnen es als „renovierungsbedürftig“, mein laienhaftes Empfinden sieht es eher als „verloren“ an. Wie soll dem Verfall begegnet werden, wenn es seit 32 Jahren leersteht, nun in Privatbesitz? Das Haus steht unter Denkmalschutz, aber wer schützt es?
Auch wenn es keine Antworten auf diese Fragen gibt, müssen sie doch gestellt werden. Und das kulturelle Erbe nicht nur erhalten, sondern geschützt werden.

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3 Replies to “Gut Broock bei Alt Tellin im Tollense-Tal”

  1. Sehr aussagekräftige Bilder, die mir direkt Lust machen, selber vorbeizuschauen (nicht zum ersten Mal hier). Wir wohnen noch nicht so lange in Vorpommern und haben erst jetzt Zeit zum Erkunden der Gegend – und Nachholbedarf!
    Am vorigen Wohnort haben wir jedoch auch schon vor traurigen Gutshaus-Ruinen und den von Dir aufgebrachten Fragen gestanden. Ziemlich ratlos – denn „nachhaltige“ Nutzungen müssten mindestens so viel abwerfen, dass a) die Instandsetzung refinanziert und b) der laufende Betrieb sichergestellt sind. Welche könnten das sein, bei den vielen Guts- und Herrenhaus-(Teil-)Ruinen, die v. a. auch hier in der Gegend stehen? So viele (Heimat-)Museen, Cafés, Kulturhäuser oder womöglich Hotels könnten sich nie halten…

    Ein – wie ich finde – gelungenes Beispiel kenne ich allerdings (aus der alten Gegend): das Rittergut Lucklum (Wikipedia-Artikel, Homepage der Besitzer). Hier werden die alten Gebäude nach und nach saniert und es wurde Gewerbe angesiedelt, das sich gut einfügt: Restaurant, Hofladen für Deko-Artikel u.ä., Reitstall, Schmuckhersteller. (Die Läden profitieren sicherlich alle von der Lage im Speckgürtel der Großstadt Braunschweig, daher ist das eher schlecht auf M-V übertragbar.)
    Meiner Vermutung nach bildete der Erlös des im Wikipedia-Artikel erwähnten Gemäldeverkaufs den finanziellen Grundstock für die Erhaltungs-/Sanierungsmaßnahmen – und wurde stark kritisiert. Sicher nicht unbegründet, aber ich bezweifle, dass der heutige Zustand derselbe wäre ohne diesen Schatzverkauf.
    Wollte die Gemeinschaft sich der vernachlässigten, verfallenden Häuser annehmen, bräuchte es auch Schätze oder es wird anderswo gespart, was gerade hier nicht „vermittelbar“ sein dürfte.

    Tja. Ich bin nach wie vor ratlos.

  2. Hallo Stadtkatze,

    genau die gleichen Fragen stellen sich mir ja auch, Auf der Seite des Rittergutes Lucklum fand ich diesen Satz:

    „Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit vertrüge.“

    Das erscheint mir richtig, zeigt die Bedrängnis, die mit dem Besitz einhergeht.

    Was mir deutlich wird:

    Verkauf an Private wie in Broock z.B. reicht nicht, mit dem Verkauf muss eine Verpflichtung einhergehen, binnen einer gewissen Frist mit Maßnahmen zu beginnen.

    Die öffentliche Verwaltung muss mit den neuen Besitzern zusammenarbeiten, ich habe hier in der Gegend schon oft gehört, welche Schwierigkeiten Verwaltung, Gemeinden, alte Seilschaften der Restaurierung und neuen Nutzung bereiten, sodaß auch ein gelungene Projekte immer in Gefahr sind.

    Hier in den neuen Bundesländern gibt es ja noch ein ganz besonderes Phänomen: Den Erwerb von Anwesen, Kassieren von Fördergeldern, Pseudo-Projekte der Jugendarbeit und dann verfällt das Anwesen endgültig („Offene Häuser“). Das ist ganz schlimm.

    Es gibt keine allgemeine Lösung. Außer: es mit dem Verfall nicht so weit kommen zu lassen.
    Ich habe ja diese Rubrik extra „Nach-Wende-Ruinen“ genannt, weil der starke Verfall erst nach der Wende geschah.

  3. Das mit den „Offenen Häusern“ ist ja in der Tat ein Knaller… Das kannte ich noch nicht! (Ich bin fast, aber auch nur fast naiv genug zu schreiben, dass so etwas unmöglich sein sollte durch eine Verpflichtung zur Rückzahlung bei nachgewiesen schlechtem Wirtschaften/betrügerischen Absichten… Harhar. Ich habe aber auch schon gelernt, dass noch ganz andere Dinge täglich passieren, die der normale Menschenverstand für nicht denkbar hält.)

    Auf jeden Fall schadet es nicht, zu dokumentieren, was noch da ist, bzw. Good-Practice-Beispiele zu sammeln, wie ein Erhalt funktionieren kann – vielleicht bewirkt es etwas im Kleinen oder verhindert zumindest das komplette Vergessen. Wer weiß, wozu Fotos wie Deine noch mal wichtig und nützlich werden?
    Also: weiter“sammeln“ und drüber sprechen, solange wir nicht im Lotto gewinnen und ein, zwei Ruinen eigenhändig retten können 😉