Schlagwort: Alt Tellin

Sie schaffen es einfach nicht,

dem Straathof beizukommen. Nachdem doch neulich die Inbetriebnahme der Ferkelfabrik in Alt-Tellin verweigert wurde aufgrund mangelnden Brandschutzes, ist die Genehmigung nun erteilt worden.

Nun darf die Ferkelfabrik in Betrieb gehen. Ungeachtet der methodischen Umgehung oder Übergehung der Betriebsauflagen, der permanenten Rechtsbrüche durch den „umstrittenen Investor“, ungeachtet der Proteste, ungeachtet der Umweltschäden durch Hektoliter Gülle täglich, ungeachtet eigentlich allem. Ungeachtet der besorgten Bürger und der Experten.

Keine Ferkelfabrik in Alt-Tellin

Welche Mechanismen greifen da? Solche Genehmigungen gegen jeden Verstand sind nur möglich wenn sie gewollt sind. Gewollt von wem?

Ich könnte verzweifeln.

Andere verzweifeln auch und engagieren sich.

Bürgerinitiative Tollensetal

Bauernhöfe statt Agrarindustrie

Rettet das Landleben / Ferkelfabrik Alt-Tellin und Schweinemastanlage Medow

Vielleicht hilft der Protest ja doch …

Es scheint, als ob die Einsicht, daß es beim Bau der Schweinemastanlage in Alt-Tellin nicht mit rechten Mitteln zugeht, langsam auch in den Ämtern ankommt. Was die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben im Tollensetal“  immer schon feststellte und protokollierte, scheint endlich zu einer verweigerten Betriebsgenehmigung zu führen:

Baustopp und  Bußgelder hatten die Ämter schon mehrfach verhängt, da Herr Strasthof, der in seinem Heimatland gar nicht mehr mästen darf, immer wieder gegen die Auflagen verstieß oder versuchte sie zu umgehen.

Keine Ferkelfabrik in Alt-Tellin

So schnell wird er die Betriebsgenehmigung nicht erhalten: Der Landkreissprecher Froitzheim:

„Unsere Fachämter haben nicht signalisiert, dass der Termin schon in absehbare Nähe rückt.“

Das ist doch endlich mal eine gute Nachricht. Ich hoffe, daß diese Genehmigung überhaupt nicht erteilt wird oder nur bei absoluter Einhaltung aller Vorschriften, Auflagen und Gesetze.  Aber das kann ich mir bei dem Investor eigentlich nicht vorstellen.

Siehe auch: Aufsicht und Kontrolle

Weitere Infos hierzu auf der Webseite der Ostsee-Zeitung oder in deren letzten Wochenendausgabe.

Aufsicht und Kontrolle

erscheinen fast unmöglich im neuen Großkreis Vorpommern-Greifswald. Jedenfalls was den ungehinderten und unbekümmerten Bau der Schweinezuchtanlage in Alt-Tellin betrifft.
Der „Investor“ Straathoff, der bisher recht ungehindert vom alten Landkreis Demmin umsetzt, was er in Holland schon lange nicht mehr darf, der hier jede Auflage ignoriert oder umgeht, schert sich auch weiterhin nicht um Genehmigungen, Umwelt- und Naturschutz.
Die Bürgerinitiative „Rettet das Landleben am Tollensetal“ erkennt zwar ein im Gegensatz zum alten Landkreis gesteigertes Problembewußtsein beim neuen Landkreis, aber was nützt das, wenn die zuständigen Behörden so unterbesetzt sind, daß sie ihren Aufgaben nicht nachkommen können? Eine Kontrolle erscheint nicht mehr gegeben.

Hier werden Realitäten geschaffen.  Und das ist wohl vom Land gewollt. Da wird dann auch einfach ein Naturschutzgebiet zerstört, da werden Ackerflächen zur Kloake von 250.000 Schweinen jährlich, da werden Schweine gegen jede Regel des Tierschutzes gequält und geschunden werden. In strukturschwachen Gebieten wie Ostvorpommern ist möglich, was woanders nicht mehr umsetzbar ist.

Der Nordkurier berichtet darüber am 4. April:

Alt Telliner Ferkel-Fabrik: Dauerbeobachtung verlangt

Gut Broock bei Alt Tellin im Tollense-Tal

Schon die Luftaufnahme zeigt die Zerstörung. Das Gutshaus von Broock im neugotischen Stil ist nur noch Fassade.

Mir stellt sich wie auch bei anderen Nachwende-Ruinen hier in der Gegend die grundsätzliche Frage nach dem verpflichtenden Eigentum. Wenn ein Besitzer die notwendige Renovierung, den notwendigen Erhalt nicht leisten kann, darf er es dann noch besitzen? Und kann die Gemeinschaft, der Staat, den Bestand garantieren, die Gebäude wiederherstellen? Welche Nutzung böte sich an?

Seit 1980 steht das Anwesen leer, in der DDR-Zeit diente es wie viele der Gutshäuser zu Wohnzwecken. Artikel in Wikipedia und anderswo bezeichnen es als „renovierungsbedürftig“, mein laienhaftes Empfinden sieht es eher als „verloren“ an. Wie soll dem Verfall begegnet werden, wenn es seit 32 Jahren leersteht, nun in Privatbesitz? Das Haus steht unter Denkmalschutz, aber wer schützt es?
Auch wenn es keine Antworten auf diese Fragen gibt, müssen sie doch gestellt werden. Und das kulturelle Erbe nicht nur erhalten, sondern geschützt werden.

Zum Horrorschloß Broock: Halt in Plötz

Nach Brook waren wir unterwegs, aber wie uns das hier immer geht: plötzlich kamen wir in Plötz vorbei.
Das haben wir uns natürlich angeschaut.

Das Gutshaus steht leer, daneben ein Pferdestall und ein neues Wohnhaus. Das Gutshaus, 1850 bis 1855 zweigeschossig im Tudorstil erbaut, und von Nachkommen der Familie von Heyden, der letzten Besitzerfamilie vor der Enteignung, seit 2004 renoviert. Interessant ist der so überdimensioniert wirkende Turm, aufgepfropft fast.

Auch dieses Gut hat eine interessante Geschichte: einer der Gutsherren, Wilhelm von Heyden-Cadow, war preußischer Staatsminister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten , trat dann 1894 im Streit um die Priorität der Landwirtschaft vor der kaiserlichen Hirschzucht in der Rominter Heide zurück. Der Ausspruch des Kaisers Wilhelm II, was gehen den Minister meine Hirsche an, ist mir noch aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung.

Wieder ein Beispiel für die Agrar-Reformer aus dem 19. Jahrhundert in dieser Gegend.

Morgen dann die Bilder von Broock.

Links zum Ort Plötz:
Orte in MV- Plötz
Gemeinde Plötz bei Demmin

Aus Meyers Großem Konversationslexikon von 1905:

Heyden, Wilhelm Karl Heinrich von, preuß. Minister, geb. 16. März 1839 in Stettin, studierte die Rechte, trat 1861 in den Staatsjustizdienst, machte den Krieg 1866 mit und wurde 1867 kommissarischer, 1868 wirklich er Landrat des Kreises Demmin, wo er das Rittergut Kadow besitzt. In den Provinziallandtag und 1877 auch in das Abgeordnetenhaus gewählt, dem H. als Mitglied der neukonservativen Partei bis 1889 angehörte, war er 1877–81 Landesdirektor von Pommern und 1881–83 Polizeipräsident von Stettin, wurde 1883 Regierungspräsident in Frankfurt a. O., 1884 Mitglied des Staatsrats, im November 1890, nach dem Rücktritt des Freiherrn v. Lucius, Minister der Landwirtschaft und trat im Oktober 1894 zurück.