Dez 112012
 

Der Öffentliche Nahverkehr liegt hier in Vorpommern sowas von darnieder, er ist fast nicht mehr wahrnehmbar.

In die Hansestadt Greifswald kommt man an Wochenenden und in Schulferien nur noch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto. Busse fahren dann nicht.
Und selbst wenn es in Züssow einen Bahnhof mit einer regelmässigen Anbindung nach Greifswald gibt, kommen Sie mal von Gribow nach Züssow! Da dürfen Sie dann 5km auf der B111 entlanglaufen, ohne Fussweg.

In Züssow angekommen, darf man sich dann allerdings an dem Potemkinschen Busbahnhof und der immer leeren Fahrradstation sowie der fast immer geschlossen Super-Technik-Toilette erfreuen.

Greifswald hat ein Mobilitätszentrum, wurde geschaffen für die Bewohner Ostvorpommerns.
Hat sogar Telefon.
Nimmt aber nie jemand ab.
Um das Mobilitätszentrum in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie mobil sein, irgendwie schon nach Greifswald gekommen sein.

Von Berlin aus dürfen Sie mit der Regionalbahn nach Greifswald fahren, in unbequemen Nahverkehrszügen, ohne Platz für Gepäck, eine herrliche Möglichkeit für Touristen das schöne Land von Anfang an  zu erspüren.

Warum ich das alles aufzähle und mir so Luft mache? Weil die Greifswalder Bürgerschaft sich stark macht. Echt. Die macht sich stark! Aber nicht um Lokomotiven oder Busse nach Greifswald zu schieben, sozusagen eine Mobilisierung, nein, die Bürgerschaft hat nichts Ernsteres zu tun als eine Umbenennung des Greifswalder Bahnhofs zu fordern: Statt Bahnhof nun Hauptbahnhof!  Angestoßen wurde dieser Vorstoß von der Bürgerschafts-Fraktion der Grünen. Die waren ja schon immer stark in Sachen Verkehrspolitik.  Welches Dreirad nun aber in die gefahren ist, erschließt sich mir nicht.

Würden Sie sich für einen Kopf-Bahnhof stark machen, könnt ichs ja noch fast verstehen. Denn ein  Kopf fehlt da genauso wie die Mobilität beim Mobilitätszentrum.

Wenn wir schon nichts schaffen, benennen wir wenigstens um. Die Kosten für neue Schilder? Macht nichts, Geld kommt ja irgendwie aus der Regionalförderung.
Und alle Bürger des Kreises Vorpommern-Greifswald sind dann mächtig stolz auf ihren Hauptbahnhof.

Bildnachweis: Creative CommonsSome Rights reserved, Fotograf: schorse1963

  2 Responses to “Schilda in Greifswald: vom Bahnhof zum Hauptbahnhof”

Comments (2)
  1. Hier mal schon die Kosten für die Umbenennung eines
    (Dorf)Haltepunktes mit einem Bahnsteig!
    Aus gut unterrichteten Kreisen war zu erfahren, dass die Grünen als Nächstes beantragen werden, die Bezeichnungen Ost- Nord- und Westbahnhof bei der DB für Umbenennungen und zukünftige Haltepunkte zu reservieren.
    Übrigens, ich bin auf diesen Schwarz-Grünen Schwachsinn nicht stolz.

  2. Die vermutlich patriotischen Bestrebungen der Stadtverwaltung den „Leuchtturm Greifswald“ auch optisch aufzuwerten fand vor gar nicht allzu langer Zeit in dem Versuch ihren Ausdruck, die wegen der Kreisgebietsreform zu ändernden Ortseingangsschilder um den Zusatz „Große“ zu erweitern. Schon klar, daß in der dann Große(n) Stadt ein Hauptbahnhof nicht fehlen darf.
    Inwieweit solchlerlei Begehren beim zuständigen Amt auf Wohlwollen stieß ist leider nicht überliefert, allerdings hatte ich mich seinerzeit schon sehr über die „Große“ Bescheidenheit gewundert, denn immerhin würde ein „Sehr“ vor dem „Große“ doch sicher noch aufs Schild passen. Oder man macht das Schild größer…das geht ja bei der Stadt auch 😉