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Letzte Losung
André Meier verfaßte vor einiger Zeit ein Büchlein “Kleine Aussteiger-Fibel”, das ich zwar mit Vergnügen las, schilderte er mir doch ein reichlich exotisches Ländchen mit allerlei rauhen Sitten, gab er doch Tipps, wie man sich den Eingeborenen auf dem Lande zu nähern habe, das ich aber dann zur Seite legte, in die Abteilung “Kuriosa” sortierte.
Dann veröffentlichte er wieder einen Aussteigerbericht, “Hollerbusch statt Hindukusch“. Das habe ich links liegen gelassen. Nun aber Letzte Losung. Ein Geburtstagsgeschenk. Ein Krimi.
Ich lese keine Krimis. Aber dieser spielt hier in der Gegend, ein bißchen weiter nach Osten noch. Genauer gesagt, an der B104 in Ramin, kurz vor der polnischen Grenze. Es gibt viele Tote, Fremde wie Einheimische, aber irgendwie hängt alles zusammen, letzten Endes nimmt der Gottesmann die Schuld auf sich und alle leben heiter und in Frieden, vom Alkohol und vielleicht anderen Sünden befreit, weiter.
Das ist so im Großen und Ganzen die Geschichte.
Weit mehr als ein Regionalkrimi ist “Letzte Losung” geworden, vielmehr ein kunstvoll gewobener, alter Teppich, auf dem sich exemplarische Schicksale abzeichnen sowie die Kniffe der Zeitgenossen, die sich die wechselnden Winde stets zum eigenen Vorteil zu Nutze machen.
Zu dieser Aussage versteigt sich das sf-magazin sogar in einer Kritik. Ich sehe das nicht so.
Ich habe das Buch ungern gelesen. Viel zu sehr konstruiert, nach dem Motto “Reim dich (später) oder ich hau dich”, und es gelang nicht, dem Buch irgendetwas Athmosphärisches zu entnehmen, das Besondere der Gegend zu erlesen / erfahren / wahrzunehmen, weil es permanent vorgekaut wird. Ich habe den Eindruck, daß der Autor sich selbst nicht traut, sonst ließe er die Figuren alleine wirken, unterlegte nicht jede Aktion, jede Situation mit Erklärungen des Besonderen.
Eine unglaubwürdige, verknotete Story, die, obwohl doch “regional” geprägt, der Region nicht so sehr gerecht wird. Von Allem etwas (Vorurteil, Großes Geld, Treuhandmauschelei, Alkoholismus, Dumpfbackentum, Exzentrik undundund) aber nichts Gelungenes. Meine ich.
André Meier: Letzte Losung
Rowohlt Berlin
Hardcover, 320 S.
15.07.2011
19,95 €
978-3-87134-686-6
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