3. Oktober: Tag der deutschen Einheit

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Okt 032013
 

Heute vor 23 Jahren wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen: Die neuen Länder auf dem Gebiet der ehemaligen DDR treten der Bundesrepublik Deutschland bei. Was in Wikipedia-Deutsch doch recht hölzern klingt, hat unser aller Leben geprägt, beeinflußt, verändert, umgestürzt, das ist offenkundig und offensichtlich.

Mein Leben hat durch die Ereignisse 1989 und 1990 eine ganz andere Richtung bekommen, daß ich nun in Ostvorpommern lebe wäre noch wenige Jahre vorher unvorstellbar gewesen.

In diesen 23 Jahren hat sich gerade hier in Ostvorpommern ein wirtschaftlicher Wandel vollzogen, dessen Auswüchse nicht mehr geleugnet werden können und die nur sehr schwer „zurückzudrehen“ sind. Nicht nur die unselige Energie-Netz-Politik, die unser Land mit Windrädern vollstellt, jedoch keine Infrastruktur für den Energieabtransport schafft, auch die Agrarpolitik hat eine Richtung eingeschlagen, welche, gefördert von Bundesregierung und EU, die gesamte Landesstruktur zerstört und kleinen, landschaftsschonenden, ökologisch vernünftigen Betrieben keine Chance läßt.

Beispiele für diese Aussagen gibt es wahrlich genug:

  1. sehen wir doch nur , wie vielerorts sich Gemeinden den Bürgerwillen gegen Geldversprechungen abkaufen lassen und Projekten wie „Bürger-Wind-Parks“ zustimmen,
  2. schauen wir in die Kleinanzeigenseiten der Lokalpresse, wo unverhohlen Landflächen zum Ankauf gesucht werden, Land, auf dem die Gülle der Schweinebarone abgelassen werden soll, sehen wir wie hilflos die Gemeinden sind bei dem Versuch sich gegen die Ansiedelung und den Betrieb der Großmastanlagen zu stemmen
  3. sehen wir, wie die nach der Wende verpachteten und unter großen Mühen und Einsatz aufgebauten ländlichen Betriebe nun, nach Ablauf der Pachtzeit, an die Meistbietenden verschachert werden, und das sind Agrarspekulanten und Schweinebarone
  4. sehen wir doch, wie der Versuch des Landwirtschaftsministers, die letzten ehemals volkseigenen LPG-Flächen zu kaufen und sie an Jungbauern  zu vergeben, als hochriskanter Deal abgewertet wird und niemand die Folgen dieser Absage erkennt: daß man nun die letzten Flächen den Spekulanten zum Fraß anbietet.

Man kann fast annehmen, unsere Region sei aufgegeben und dem Markt, der es eben nicht richten wird (!), zum Fraß vorgeworfen. Eine gesellschaftliche Lähmung und politische Orientierungslosigkeit führt dann zu Wahlergebnissen, die nichts ändern sondern nur im alten Trott weitermachen lassen, Apathie legt sich über das Land.

Was würde Karl Rodbertus zu unseren Problemen sagen, lebte er noch? Karl Rodbertus (1805 – 1875) war Nationalökonom und gilt als Begründer des Staatssozialismus. Seiner Auffassung nach fällt dem Staat die Aufgabe zu, in die Prozesse der Wirtschaft einzugreifen und zu lenken. Er würde sich in vielem bestätigt sehen, glücklich darüber wäre er sicher nicht.

Grabstein des Karl Rodbertus in Jagetzow

Grabstein des Karl Rodbertus in Jagetzow

Warum ich diesen Herrn hier nenne? Nun, gerade  20km von Gribow liegt der Ort Jagetzow, heute ein Ortsteil von Völschow.  Dort lebte Johann Carl Rodbertus auf seinem Gut.
Er nahm teil an der Märzrevolution 1849 und wurde 1849 nach einer kurzen Amtszeit als preussischer Minister für Kultur und Unterricht auf sein Gut Jagetzow verbannt. Dort stand er bis zu seinem Lebensende unter Polizei-Aufsicht. Er konnte jedoch weiterhin wissenschaftlich arbeiten und veröffentlichte einige Werke; Marx, Engels und Rosa Luxemburg bezogen sich in ihren Schriften auf ihn.

Die Erinnerung an diesen wichtigen Politiker und Wissenschaftler ist geschwunden.
Der kleine Ort Jagetzow liegt abgeschieden, die zu ihm führenden Straßen werden zerstört durch die Gülle transportierenden Schwerlastwagen des Schweine-Barons aus Tellin, der Gutshof der Familie Rodbertus scheint dem Verfall ausgeliefert.

Nur das Grab auf dem kleinen Gemeindefriedhof ist gepflegt.

Seine Bücher sind bei GoogleBooks zu finden. Ich habe sie weiter unten aufgeführt.

Johann Carl Rodbertus in der Wikipedia

 

 

Eine Galerie

Von Carl Rodbertus, der sich auch Rodbertus-Jagetzow nannte, sind u.a. diese Bücher bei GoogleBooks zu finden:

Gribow, Balitz, Gloeden-Hof

Gribow, Balitz, Gloeden-Hof

Landbuch des Herzogthums Pommerns und des Fürstenthums Rügens enthaltend Schilderungen der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. / Der Greifswalder Kreis: historische Beschreibung der einzelnen Ortschaften, […]

Ich wollte ja immer wieder Historisches hier posten, hab ich lange nicht gemacht. Also heute die Ortsbeschreibung aus der Schwedischen Landaufnahme vom August 1694. Beschreibung des Adelshofs Gribow, der im […]

Gribow anno 1694

Gribow anno 1694

Heute findet man alte Karten im Internet, von denen ich als Geographie-Studentin nur träumen konnte. Bei der Suche nach Material stieß ich auf das Projekt „SVEA-Pommern“, welches Karten und Texte […]

1816: Sammlung aller ....Verordnungen

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Die Digitalisierung der Bibliotheks-Bestände vieler Universitäten ist unumgänglich, nützlich und macht große Fortschrtte. Das Google-Books-Projekt bietet viele Schätze, die noch zu heben sind. Ich habe mir inzwischen eine ganze „Bibliothek“ […]